AD(H)S, Konzentrationsstörungen

Konzentration und AD(H)S  


Vorweg: Alle Menschen - Kinder, Jugendliche und Erwachsene! - haben hin und wieder Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit.

Die Schätzungen der Experten, wieviele Kinder und Jugendliche tatsächlich unter ADS leiden, beläuft sich derzeit auf 4% - 17%. (Quelle: M.Brunsting)

Unter leichteren Aufmerksamkeitsstörungen leiden allerdings viel mehr Betroffene. Deutsche Lehrer schätzen, dass rund 19 % der Kinder im Grundschulalter Konzentrationsprobleme haben.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Symptome müssen über längere Zeit (mindestens 6 Monate) beobachtet und als über dem normalen Maß liegend beurteilt werden. Sie sollten in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten (z.B. in der Schule und in der Familie) und die soziale, emotionale, schulische oder berufliche Entwicklung beeinträchtigen. Das ADS ist also eine Sammlung von Symptomen. Das Ausmaß der Symptome macht es aus, ob man von einem ADS spricht oder nicht.

Kein ADS ist wie das andere. Es gibt viele verschiedene Erscheinungsbilder und auch einige mehr oder weniger klar unterscheidbare Formen. Die Diagnosestellung muss von Fachärzten/Diagnosezentren erfolgen. Allerdings benötigt eine Diagnose das Zusammentreffen verschiedener Faktoren (Gespräche mit Betroffenen und ihren Bezugspersonen, Fragebogen, Verhaltensbeobachtungen und verschiedene Testverfahren oder Teile aus bekannten Tests). 

Unterschied ADS und ADHS:

Im Unterschied zur Aufmerksamkeitsstörung (ADS) kommt beim ADHS eine gesteigerte Hyperaktivität und Impulsivität hinzu. Diese Kinder sind in ihrem sozialen Umfeld (Schule, Familie usw.) auffällig. Diese Steigerung des gestörten Sozialverhaltens kann Überforderung und Depressionen zur Folge haben.

Laut Expertenbeobachtungen sind 4- bis 9-mal häufiger Jungen vom ADHS betroffen, als Mädchen. Für Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität liegen bisher keine Zahlen vor.

Aufmerksamkeitsstörungen gehören zu den Problemen, die häufig überdauernd sind und eher ungünstig verlaufen. Sie beeinträchtigen die Entwicklungsvoraussetzungen eines Kindes und stehen dadurch oft am Beginn eines negativen Entwicklungsverlaufs. Deshalb kann man auch nicht davon ausgehen, dass sie im Zuge von Reifungs- und Entwicklungsprozessen verschwinden. Die Hyperaktivität tritt in der Pubertät häufig in den Hintergrund, die mangelnde Aufmerksamkeit bleibt auch später oft noch ein Problem. Sie kann ein Thema sein, das einen Menschen ein Leben lang begleitet.

 

AD(H)S und Lerntherapie: 

In der Lerntherapie kann zusammen mit den Eltern eine veränderte Strukturierung des Schüler-Alltages vorgenommen werden, damit die Schwächen ausgeglichen werden. Gleichzeitig wird das Verständnis für die besondere Verhaltensweise des ADHS-Kindes gefördert und das Selbstbewusstsein des Kindes gestärkt.

Zur Förderung des Kindes stehen in der Lerntherapie neben Lernspielen, welche die Konzentration und die Merkfähgikeit fördern, auch das Förderprogramm "Marburger Konzentrationstraining" zur Verfügung. Hier lernen die Kinder das "innere Sprechen". Dadurch ist es ihnen möglich, gestellte Aufgaben konzentrierter anzugehen und durchzuführen.

Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) ist ein auf Selbstinstruktion basierendes, kognitiv-verhaltenstherapeutisches Training für Vorschul- und Schulkinder im Alter von fünf bis etwa zwölf Jahren.

Es wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Marburger Schulpsychologen Dieter Krowatschek entwickelt.

Es wird vorwiegend bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung eingesetzt. Das MKT soll den Kindern die Methode der verbalen Selbstinstruktion sowie grundlegende Arbeitstechniken für den Schul- und Hausaufgabenalltag vermitteln. Weitere Bestandteile sind Entspannungstechniken, etwa durch Autogenes Training, und Verhaltensmodifikation, unter anderem durch positive Verstärkung, zur Verbesserung von Selbsteinschätzung und Selbstkontrolle. Ziel ist eine Veränderung von einem impulsiven hin zu einem reflexiven kognitiven Arbeitsstil.

 

(Quelle: D. Krowatschek)